Wir sind nicht alle Schwestern …!

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Foto:Kappus

Regelmäßige Leserinnen diese Blogs wissen bereits, dass ich meine zahlreichen Geschäftsreisen gern zu sozialkritisch Beobachtungen nutze und in teilweise ironisch überspitzter Form entsprechende Glossen unter der Rubrik „Unterwegs“ veröffentliche. Einer kritischen Leserin ist dabei aufgefallen, dass überdurchschnittlich häufig Männer von meinen nicht immer ganz „bierernst“ gemeinten Sozialstudien“ betroffen sind. Das alarmiert mich als Arbeitsrechtlerin natürlich. Diskriminierung jeglicher Art lehne ich vehement ab. Um Schadensersatzansprüchen nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) vorzubeugen, habe ich mir vorgenommen, meinen Focus, zumindest zeitweise, etwas stärker auch auf das weibliche Geschlecht zu richten und manchmal „ist der Zufall ein Eichhörnchen“: Ich hatte bereits berichtet, dass das Hotel meine Vertrauens in Berlin über einen sehr netten Fitnessbereich verfügt, denn ich nach den langen Zugfahrten gern aufsuche. Normalerweise sind die dortigen Lauf- und Fitnessgeräte fest in der Hand Fitness affiner Geschäftsmänner. Meine dementsprechenden Beobachtungen und Erfahrungen lassen sich im hiesigen Beitrag „Wie wir Frauen den Männern …“ nachlesen. Nicht schlecht gestaunt habe ich daher bei meinem jüngsten Berlinaufenthalt, als ausnahmsweise die Damenwelt die Regie über die Fitnessgeräte übernommen hatte. Kein Mann in Sicht! Auf allen Laufgeräten trainierten Frauen, schätzungsweise ungefähr in meiner Alterskategorie, also 40 +. Bis eines der Laufgeräte frei wurde, hatte ich genügend Zeit für meine Lieblingsbeschäftigung, das stille Beobachten. Zunächst sah ich schwarz, und zwar im ganz wörtlichen Sinn: Alle Mitstreiterinnen trugen schwarze, eng anliegende Laufklamotten. Ich musste gar nicht erst an mir hinuntergucken – natürlich war mir bewusst, dass ich mich nahtlos in diesen Uniformismus einreihte. Der sehr schmale grüne Streifen an der Seite meiner Laufhose kann leider unter keinem ernsthaften Aspekt als Individualisierungsansatz durchgehen. Auch bei der Gestaltung der Haarfrisur hatten wir alle – gleichermaßen uninspiriert – den klassischen Pferdeschwanzlook gewählt. Endlich wurde der von mir anvisierte Crosstrainer frei. Mein freundliches „Dankeschön“ gegenüber der vorherigen Benutzerin wurde von ihr allerdings eher missmutig quittiert. Vielmehr war sie bemüht, offenkundiges Desinteresse zur Schau zu stellen und bloß nicht den Eindruck zu erwecken, sie schaue nach dem Fitnesszustand, dem Outfit oder gar der Figur der Anderen. „Ich hin Einzelkämpferin“, schien die unausgesprochenen Botschaft, „was Du machst, ist mir egal!“ Mit einem sehr knappen Nicken überließ sie mir den Crosstrainer und wandte sich dem Rudergerät zu, welches gerade frei wurde. So denke ich: „Achtung, jetzt kommt’s drauf an, sind wir Frauen wirklich anders als die Männer?“ Bei Männern hatte ich die Erfahrung gemacht, dass diese eine beeindruckende Leistungssteigerung an den Tag legen, sobald ich hinzutrat. Ganz anders die Geschlechtsgenossinnen neben mir. Jede behält, fast krampfhaft scheint mir, ihren Rhythmus bei. Bloß nicht den Eindruck erwecken man würde sich ablenken lassen! Das Ganze hat etwas freudloses, bis die Glastür aufgeht und 4 Spanierinnen oder Südamerikanerinnen hereinkommen. Fröhlich spanisch plappernd, in farbigen Laufklamotten, hellgelbe oder hellgrüne Laufhosen, kombiniert mit orangefarbenen oder pink leuchtenden Oberteilen. Whow, sieht wirklich toll aus! Und verbreitet augenblicklich gute Laune. Offenbar läuft es sich in solch fröhlicher Kleidung auch leichter. Die spanischen Fitnessladies haben nämlich kein Problem, sich auch während des Lauftrainings munter weiter zu unterhalten. Leider kann ich kein spanisch, vermutlich hätte ich allerdings angesichts der Redegeschwindigkeit, die die Damen an den Tag legen, selbst mit rudimentären Spanischkenntnissen keine Chance, ihren Gesprächen zu folgen. Macht nichts, Hauptsache es kommt mal ein bisschen Leben hier in die Muckibude. Meine schwarz gekleideten deutschen Mitstreiterinnen scheinen das nicht ganz so positiv zu empfinden. Von Lockerheit keine Spur. Auffallend schnell leert sich der Fitnessraum, nicht ohne dass zuvor noch missbilligende Blicke auf die Neuankömmlinge geworfen werden. Ich bleibe noch und wenn ich meinen Urlaub irgendwann einmal wieder in Spanien verbringen sollte, stürme ich die dortigen Sportläden und kaufe mir farbenfrohe Laufbekleidung.

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Pia-Alexandra Kappus