Christi Himmelfahrt ohne Leiterwägelchen

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Hand aufs Herz: Wer hat noch einen Leiterwagen zu Hause? Für was auch, werden Sie zurückfragen. Und schon sind Sie ertappt: Sie haben den Vatertag vergessen. Sie wissen schon, dass ist der Tag, an dem man sich immer fragt, wie es sein kann, dass so viele vornehmlich junge Noch-Nicht-Väter feucht-fröhlich mit eben einem Leiterwägelchen durch die Gegend, vorzugsweise durch Flora und Fauna, ziehen. Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes steigt die Zahl der durch Alkohol bedingten Verkehrsunfälle an Christi Himmelfahrt auf das Dreifache des Durchschnitts der sonstigen Tage an und erreicht einen Jahreshöhepunkt! Und Schuld daran ist das Leiterwägelchen, jawohl!

Foto Kappus
Foto Kappus

Schließlich ist das einfach viel zu schwer, solange es noch mit gut gefüllten Bierfässchen bestückt ist. Je leerer das Wägelchen, desto …. die (angehenden) Väter. Dagegen sind wir Frauen am Muttertag vergleichsweise ganz kleine Lichter, nicht dass ich den Männern auf diesem Gebiet nacheifern wollen würde, wirklich nicht. Und glücklicherweise gibt es in meiner Familie auch keine Fans des Leiterwägelchens – viel lieber nutzen wir den Feiertag zum Rennradfahren . Ich wäre allerdings durchaus bereit, mir ein Leiterwägelchen anzuschaffen, wenn der deutsche Vatertag nach Schweizer Vorbild umgestaltet würde. Dort wurde 2007 der „Schweizer Vätertag“ als Fest- und Aktionstag auf inoffizieller Basis eingeführt. Seitdem wird er stets am ersten Sonntag im Juni landesweit begangen. Ziel der Initiatoren aus der Schweizer Männerbewegung soll die Förderung der Wertschätzung für väterliches Engagement sein. Im Unterschied zu Vatertagen in anderen Ländern besteht der Schweizer Vätertag in erster Linie in einem Väter-Kinder-Aktionstag und soll vor allem ein gesellschaftspolitisches Umdenken bewirken, damit sich zukünftig die Rahmenbedingungen für ein engagiertes Vatersein in Beruf, Familie und Gesellschaft verbessern. Die Schweizer benötigen dazu keine Leiterwägelchen und sind doch auf dem richtigen Weg.

Pia-Alexandra Kappus