Buchbesprechung

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Foto Pia Kappus
Foto Pia Kappus

Léa Linster mit Kerstin Holzer: „ Mein Weg zu den Sternen. Aus meinem Leben“.

1. Auflage, Verlag Kiepenheuer & Wietsch, Köln 2015. Gebundene Ausgabe, 215 Seiten, eingeheftet eine Kollektion privater Bilder und mit Rezept für Léas Madeleines, 18,99 €. ISBN 978-3-462-04713-4

Man muss kein Koch-Fan sein, um dieses Buch zu mögen. Man sollte lediglich bereit sein, sich von der kompromisslosen Lebensfreude und dem uneingeschränkten Optimismus der Autorin anstecken und inspirieren zu lassen. Léa Linster und ihre Co-Autorin Kerstin Holzer erzählen mit einer erstaunlichen Leichtigkeit und Eindringlichkeit zugleich und verknüpfen dabei geschickt reale Geschichten aus Léa Linster‘s Leben mit persönlichen grundsätzlichen Lebenseinstellungen und Lebensweisheiten. Der rote Faden, der sich dabei durch das Buch zieht, ist ihr  unerschütterlicher Optimismus und der unbedingte Wille, auch nach Niederlagen wieder aufzustehen und immer nach Vorne zu schauen.„When life gives you lemons, make lemonade!“ ist einer der Lieblingssprüche Léa Linster, dem sie ein eigenes Kapitel widmet. Vielleicht liegt es daran, das ich, wie Léa Linster, selbständige Chefin in einem eher männerdominierten Berufszweig bin, jedenfalls habe ich mich beim Lesen ihres Buches in weiten Teilen mit ihr quasi „seelenverwandt“ gefühlt. Offenbar treibt uns beide die gleiche Lebenseinstellung und die Kompromisslosigkeit an, sich nur mit dem Besten zufrieden zu geben. Einen von Außenstehenden oft als unverhältnismäßg gewerteten persönlichen Einsatz empfinden wir dabei als pure Lebensfreude – statt als Arbeit. Léa Linster hat dafür in ihrem Buch eine ganz besonders treffende bildhafte Beschreibung gefunden. „Ich funktioniere wie die Lampe eines Fahrrades, die von einem Dynamo betrieben wird. Je schneller man in die Pedale tritt, desto heller leuchtet das Licht!“. Genauso empfinde ich es auch sehr oft und noch ein weitere Lebenserkenntnis habe ich, während meiner mittlerweile 50 Lebensjahre, in gleicher Weise gewonnen. In dem Kapitel „Warum Profiköchinnen Biss brauchen“ bekennt Léa Linster, dass sie in jungen Jahren emanzipatorische und feministische Ansichten, wie beispielsweise die These der amerikanischen Spitzenmanagerin Sheryl Sandberg, wonach sich ehrgeizige Frauen mehr reinhängen müssen als Männer, für Quatsch hielt. Mir ging das früher ebenso und leider bin ich über die Jahre zu der gleichen Erkenntnis gelangt wie die Spitzenköchin. „Frauen haben es schwerer als Männer, zumindest in einer Männerdomäne. Männer nutzen dort ihre Netzwerke, zu denen weibliche Konkurrentinnen keinen Zugang finden.“ schreibt Léa Linster und leider muss ich ihr da aus heutiger Sicht Recht geben. Aber davon lassen wir Frauen uns nicht entmutigen und wenn Sie doch einmal den Blues haben oder desillusioniert sein sollten, lesen Sie einfach Léa Linster‘s Buch und lassen sich von ihrer ungebrochenen Fröhlichkeit und ihrem Lebensmut mitreißen.

Für den unwahrscheinlichen Fall, dass ich Léa Linster irgendwann einmal selbst treffen sollte, würde ich ihr Folgendes zu ihrem Buch sagen:

Liebe Frau Linster,

zunächst zögerte ich, ihr Buch aus dem Regal der Buchhandlung meines Vertrauens zu nehmen. „Schon wieder eine Promi-Biografie, muss man bereits mit gerade einmal 60 Jahren die Welt mit einer Biografie beglücken?“ war mein spontaner Gedanke. Gut dass ich dieser ersten Intuition nicht gefolgt bin. Immer wieder betonen Sie in Ihrem Buch, dass Sie Menschen mit Ihrem Essen froh machen möchten. Ich kam leider noch nicht in den Genuss Ihrer Kochkunst, aber mit Ihrem Buch haben Sie es geschafft, mich froh zu machen, und ich werde es jedem meiner Freunde „gefragt oder ungefragt“ als Lesegenuss gerne empfehlen.

Pia-Alexandra Kappus