So wird die Frauenquote zum (H)Ampelmännchen!

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AmpelgMan könnte es für einen schlechten Scherz halten. In Dortmund fordern Kommunalpolitiker von SPD und Grünen eine Frauenquote für Ampelfiguren – allerdings kostenneutral. Überall, wo die Herren nicht mehr leuchten, sei es aus Altersschwäche oder wegen unerwarteter Defekte, sollen Ampelfrauen an ihre Stelle treten. Auf Antrag der beiden Parteien prüft die Stadtverwaltung jetzt allen Ernstes, ob 50 Prozent Ampelfrauen möglich sind. Zur Begründung heißt es in dem Antrag: „Durch die Gleichstellung von Frau und Mann ist eine teilweise Umrüstung von Ampelmännchen zu ‚Ampelfrauen‘ folgerichtig.“

Man(n) kann’s auch übertreiben. Ist das nur Übereifer von Hinterbänklern oder eine gezielte Sabotage des „lästigen“ Frauenthemas? Sollten die Befürworter eines solchen Ampelfrauen-Antrages tatsächlich glauben, dass sie damit die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen in diesem unserem Lande auch nur Millimeter voranbringen, muss man sich vielleicht fragen, ob diese Politiker rot-grünblind sind, was sich nicht auf die Parteienfarben beziehen soll, sondern auf das Rot- bzw. Grünlicht der Ampeln, die sie „gendermäßig“ umgestalten wollen. Was soll damit bezweckt werden. Wer hofft, dass die Vorstände und Aufsichtsräte unserer Unternehmen auf dem „Fußweg zur Arbeit“ jeden Morgen daran erinnert werden, dass sie leider die Frauenquote immer noch nicht erfüllt haben, übersieht, dass diese verantwortlichen Wirtschaftsführer in der Regel mit ihrem Dienstwagen samt Chauffeur bis in die Tiefgarage ihrer „Schaltzentralen der Macht“ gefahren werden. An Fußgängerampeln stehen sie äußerst selten bis nie.

Spaß beiseite. Über die Frauenquote kann man wahrlich geteilter Meinung sein. Ich selbst bin alles andere als ein Fan davon. Unstrittig ist aber wohl, dass die Frage der Gleichstellung von Männern und Frauen im Beruf ein wichtiges, sehr ernst zu nehmendes Thema ist. Ablenkungsmanöver, die noch dazu den Verdacht nähren, man wolle das Gleichberechtigungsthema ins Lächerliche ziehen, sind da alles andere als hilfreich. Die Assoziation vom Ampelmännchen zum Hampelmännchen drängt sich auf. Wenn wir Frauen irgendwann einmal nur noch das Problem haben, dass wir auf unserem Weg in die Vorstandsetage an einer Fußgängerampel mit Ampelmännchen stehen, dann haben wir es geschafft. Denn momentan ist unser Problem doch, dass die Ampeln auf dem Weg in die Schaltstellen der Wirtschaftszentralen grundsätzlich auf Rot stehen, da ist es gleichgültig, ob eine Ampelfrau oder ein Ampelmann den Weg versperrt.

Anders als es die Frauenquote suggeriert, brauchen wir Frauen nämlich keine symbolischen Solidarisierungsaktionen und auch keine Almosen, sondern „grünes Licht“ für unsere beruflichen Ambitionen, einerlei ob uns ein Ampelmännchen oder eine Ampelfrau – oder hieße das dann Ampelweibchen? – den Weg frei macht.

Pia-Alexandra Kappus