Ciao Bella!

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Foto Pia Kappus
Foto Pia Kappus

Mein siebentägiger Rennrad-Urlaub am herrlichen Gardasee hat es wieder ans Licht gebracht.

„Die Italiener, zumindest norditalienische Rennradfahrer, sind unverbesserliche Machos“.

Das mag sich vielleicht ausländer- und/oder männerfeindlich anhören, ist aber überhaupt nicht so gemeint! Im Gegenteil: Was ich hier in Deutschland als plumpe Anmache empfinden würde, hat mich in Italien keineswegs gestört. Nun gehört man als Frau auf dem Rennrad, egal ob in Italien oder in Deutschland, auch heute noch zu einer Minderheit in diesem tollen Sport, wenngleich die Zahl der rennradelnden Mitstreiterinnen, zumindest hierzulande, stetig steigt. Folglich wundert man sich als Rennradlerin eigentlich nicht über auffällige Reaktionen männlicher Mitstreiter. In Deutschland beschränkt sich das allerdings nach meiner Erfahrung zumeist auf akute Anfälle verbissener Leistungssteigerung des Rennradlers, wenn er merkt, dass er von einer Frau überholt wird (nach Zwischenspurt: werden sollte). Da werden müde Männerwaden mitunter wieder munter. Unlängst hetzte ich inmitten einer Dreiergruppe, bestehend aus zwei Männern und mir, die Landstraße entlang. Vor uns ein deutlich ermüdeter Kollege, der bereits im „Chill-Modus“ pedalierte .Da mich meine Kräfte auch langsam verließen, rief ich meinem Hintermann zu, er möge  statt meiner in der Mitte weiter fahren, wenn wir den „Chill-Man“ passiert hätten. Womit ich nicht rechnete, war, dass allein meine weibliche Stimme ausreichte, um den ermüdeten Rennradkollegen förmlich zu elektrisieren: Er lies meine beiden männlichen Mitfahrer vorbeiziehen, zog unmittelbar vor mir nach links und beschleunigte mit den letzten Kraftreserven so, dass er sich an das Hinterrad meines Kollegen heften und ein Überholen durch mich verhindern konnte!

Ehrlich, da sind mir doch die aufmunternden Zurufe der italienischen Rennradkollegen von „Ciao Bella“ bis „ brava, brava“ deutlich lieber. Selbst eindeutige Pfiffe haben mir nur ein entspanntes Lächeln entlockt, obwohl ich das auf deutschen Straßen sicher für einen Aufreger gehalten hätte, der mir eine Kolumne wert gewesen wäre. Wobei man sich natürlich auch fragen kann, wer letztlich die größeren Machos sind, diejenigen, die zu stolz sind, um sich von einer Frau überholen oder gar abhängen zu lassen, oder diejenigen, die in einer Rennradlerin gar keine Konkurrenz, sondern nur ein Flirtobjekt sehen. Unter der Sonne Italiens, in entspannter Urlausstimmung, waren mir Letztere jedenfalls lieber; ob das auf Deutschlands Straßen auch so wäre, vage ich indes zu bezweifeln.

Pia-Alexandra Kappus

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